World Usability Day in der Metropole Ruhr

10.12.20

Warum Digitalisierung Mut, Zeit und Haltung braucht.

 

Der World Usability Day (WUD) in der Metropole Ruhr. Unter dem Slogan „Shape the digital age – digitale Transformation, Design & UX“ trafen sich über 100 Teilnehmer zu spannenden Vorträgen und Keynotes. In Pandemie-Zeiten natürlich remote – nicht unpassend zum digitalen Thema.

 

Der WUD findet seit 2005 weltweit an jedem zweiten Donnerstag im November statt, um Ansätze und Erkenntnisse zu den Themen Usability und User Experience auszutauschen und sie an diesem Tag international zu kommunizieren. Forschung, Industrie, Bildung, Verwaltung und natürlich die Nutzer sind an diesem Tag eingeladen, sich noch mehr zu vernetzen.

Eine Referentin des WUD Ruhr, Linda Schmidt, Abteilungsleitung UX & Industrial Design bei der ifm electronic GmbH, thematisierte in ihrem Impuls die Entwicklung „Digital Human und die Evolution von UX-Denkansätzen in Unternehmen“. Der Erfolg guten Produktmanagements hänge vor allem mit der Verankerung des Willens zu guter UX im Unternehmen zusammen. Dr. Kim Lauenroth, Leiter des Competence Center für Requirements Engineering bei adesso verfolgt ebenso wie Ronald Hartwig, Geschäftsführer der rhaug GmbH, den Ansatz der ganzheitlichen Betrachtung.

 

Hartwig zählt zu den Gründern des Ruhr WUDs. In seinem Vortrag „Digitalisierung braucht Mut, Zeit und Haltung“ schildert er die Digitalisierung aus Sicht der Unternehmen. Im herrschenden Verdrängungswettbewerb ist es nicht selten, dass die Besitzer der Software gleich das gesamte Geschäftsmodell übernähmen. Dennoch ergab eine Umfrage des Branchenverbands bitkom in diesem Jahr eine hohe Bereitschaft, das Thema Digitalisierung aufzuschieben und erst später anzugehen. 

 

Hartwig: „Müssen wir alle raus aus der Komfortzone?“ Ihm ist an einem menschlicheren Ansatz gelegen, doch ganz ohne Veränderung geht es eben nicht. Es braucht den Mut, sich etwas zu trauen, denn Disruption bedeutet natürlich in Teilen, dass Prozesse oder Projekte im Kern verändert werden oder verschwinden. Sich dazu die Zeit zu nehmen, was tatsächlich auch Geld investieren bedeutet, sei ein wesentlicher weiterer Faktor. Er plädiert außerdem für die Haltung, das Richtige zu tun, durchaus auch gesellschaftlich. 

 

Diesem Dreiklang aus Mut, Zeit und Haltung stehen Herausforderungen wie die „German Angst“, ein umfassender Datenschutz, die deutsche Gründlichkeit, aber auch Gemütlichkeit entgegen. Hartwig weiß aus jahrzehntelanger Erfahrung, dass die Weichen oft schon gestellt sind, wenn die User Experience Designer auf den Plan gerufen werden. Dabei gehe es hier nicht um die reine Verkürzung auf das „Look and Feel“ der Anwendung, sondern vielmehr um die Berücksichtigung des gesamten Nutzungsablaufs und seiner Einbettung. Die eigentliche Digitalisierung bleibe wegen mangelnden tatsächlichen Neudenkens schlicht aus.

 

Hartwig warb für einen ausgewogenen Mix aus dem technisch Machbarem, dem Nützlichen und der Wirtschaftlichkeit. Seiner Meinung nach ergibt es Sinn, lieber in Wissen und Mitarbeiter zu investieren statt an Werkzeuge und Methoden als Allheilmittel zu glauben. Dies leben erfolgreiche digitale Unternehmen vor. 

 

Praktische Tipps für das Gelingen der Digitalisierung in Unternehmen: Erst denken, dann machen. Einen durchgehenden Projektverantwortlichen vorsehen. Und idealerweise auch den Dienstleister durchgängig beschäftigen. Eigentlich ganz einfach, oder? 

Den Vortrag von Dr. Ronald Hartwig können Sie sich hier auf YouTube ansehen. Wir freuen uns auf eine rege Diskussion in den Kommentaren. 

 

Bildquelle: "Essen Zeche Zollverein Fördergerüst 03" von Zairon, 2017, editiert, https://commons.wikimedia.org, CC-by-sa