Virtuelle Trainings für den medizinischen Erfahrungs- und Kompetenzaustausch

31.12.20

rhaug-Mitarbeiter Tim Hottowitz berichtet im Interview über ein gemeinsames Forschungsprojekt mit dem Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM). Die Zusammenarbeit zu virtuellen Planungs- und Trainingsanwendungen in der Medizin und Forschung ist bis 2022 angelegt.

rhaug arbeitet hier Hand in Hand mit dem kanadischen Unternehmen Luxsonic und dem Institut für Simulation und Graphik der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.Das Projekt wird gefördert durch das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. 

 

Tim, was sind die Herausforderungen bei der Entwicklung eines Prototyps auf diesem Gebiet? Wie geht man solch ein Projekt an?

 

Man fängt mit kleinen Interaktionen an und setzt diese zu größeren Funktionselementen zusammen. Die Lösung sollte leicht verständlich, gut durchdacht, logisch aufgebaut und einfach zu bedienen sein. Bei der Umsetzung ist es wichtig, zu beachten, für wen man eine Lösung entwickelt und welche Aufgaben im System durchgeführt werden sollen.

 

 

Was ist das Besondere an Interaktionen oder Trainings im virtuellen Raum?

 

Gerade hier sind eine gute Übersicht und Usability von Bedeutung. VR-Brillen können die Position und den Blickwinkel des Nutzers noch nicht 100%ig genau messen.  Daher sollte das Interface groß genug dargestellt werden, um die Les- und Bedienbarkeit sicherzustellen. Also sind entsprechend große Schaltflächen und das Highlighten von Point of Interests essentiell. 

Interfaces im dreidimensionalen Raum sind eine neue Herausforderung, da man von einer klassischen 2D-Darstellung auf einem Monitor auf eine Darstellung in einem dreidimensionalen Raum umdenken muss – mit all seinen Vor- und Nachteilen. Hier gilt es, die Möglichkeiten eines dreidimensionalen Raumes effektiv zu nutzen, um die Vorteile der Technologie auszuschöpfen.  

 

Und um was ging es bei diesem konkreten Projekt?

 

In unserem Projekt mit Luxsonic aus Kanada und dem Institut für Simulation und Graphik der Universität Magdeburg befassen wir uns damit, wie Trainings im virtuellen Raum funktionieren können und welche Arten von Benutzeroberflächen dabei unterstützen können.

Der Fokus liegt dabei auf virtuellen Planungs- und Trainings-Anwendungen in der Medizin. Bisher läuft der Erfahrungs- und Kompetenzaustausch zwischen Medizinern trotz moderner Kommunikationsmöglichkeiten nämlich noch sehr traditionell ab – z. B. auf wissenschaftlichen Tagungen oder durch Hospitationen. Mit dem Projekt soll es Medizinern ermöglicht werden, mit einem speziellen Toolset auch über große Entfernungen zu kommunizieren und dadurch medizinische Kompetenzen besser auszutauschen. Schon frühe Studien im Bereich VR-Kollaboration zeigten, dass eine Zusammenarbeit zwischen mehreren Lernenden in einer gemeinsamen immersiven Umgebung einen positiven pädagogischen Effekt haben kann.

 

Wie ist denn der Stand der Dinge und wie geht es weiter?

 

Aktuell arbeiten wir an einer Organ-Bibliothek, in der Mediziner oder Studenten verschiedene Organe mit dazugehörigem Krankheitsbild, Vorgeschichte, Patientendaten usw. auswählen können und verschiedene DICOM-Layer im virtuellen Raum einzeln betrachten und vergleichen können.

Außerdem arbeiten wir mit Luxsonic an 2D- und 3D-Interfaces für Trainings-Anwendungen z.B. im Labor, im Bereich Erste-Hilfe-Leistung und für medizinische Routine-Prozesse.